Zentrieren an der Töpferscheibe: Die wichtigste Grundtechnik
Es ist der Moment, an dem sich in jedem Töpferkurs für Anfänger die Spreu vom Weizen trennt: Der Tonklumpen fliegt mit einem lauten Klatsch von der Scheibe, oder er eiert so wild hin und her, dass an ein Hochziehen der Wand gar nicht zu denken ist. Wer das Drehen an der Töpferscheibe lernen möchte, stellt schnell fest, dass das Handwerk eine unbarmherzige physikalische Grundvoraussetzung hat: das Zentrieren. Solange der Ton nicht absolut exakt in der mathematischen Mitte der rotierenden Scheibe läuft, wird jedes Gefäß asymmetrisch, instabil oder kollabiert komplett.
In meiner Münchner Werkstatt PurKeramik am Isartor vergleiche ich das Zentrieren gerne mit dem Fundament eines Hauses. Ist das Fundament schief, nützt auch das schönste Dach nichts. Das Zentrieren erfordert keine magische Begabung, sondern ist das Ergebnis von korrekter Körperhaltung, dem richtigen Einsatz deines Körpergewichts und dem Verständnis von Fliehkraft. In diesem Artikel zeige ich dir die essenziellen Kniffe, mit denen du den Ton zähmst.
Die Physik des Zentrierens: Knochen schlagen Muskeln
Der häufigste Fehler, den Anfänger an der Drehscheibe machen, ist der Versuch, den Ton mit reiner Muskelkraft aus den Armen zu bezwingen. Ich kann dich beruhigen: Gegen einen zwei Kilo schweren, rotierenden Tonklumpen verlierst du diesen Kampf über kurz oder lang. Deine Arme werden müde, beginnen zu zittern – und der Ton gewinnt.
Das Geheimnis des erfolgreichen Zentrierens lautet: Stabilität durch Körpergewicht. - Die Sitzposition: Rutsche so nah wie möglich an die Töpferscheibe heran. Deine Knie sollten die Wanne der Scheibe fast berühren. - Die Verankerung: Stütze deine Ellbogen fest auf deinen Oberschenkeln oder Beckenknochen ab. Dadurch machst du deine Arme zu einer unbeweglichen Verlängerung deines Skeletts. - Der Körpereinsatz: Anstatt den Ton mit den Händen zu drücken, lehnst du dich mit deinem gesamten Oberkörper von links oben über den Tonklumpen. Du nutzt dein Eigengewicht als starre Barriere, gegen die der eiernde Ton läuft, bis er keine andere Wahl mehr hat, als sich zu fügen.
Schritt für Schritt in die Mitte: Auf- und Abkneten
Um den Ton perfekt zu zentrieren, nutzen wir eine Technik, die man "Auf- und Abkneten" (oder Kegeln) nennt. Das dient nicht nur der Zentrierung, sondern homogenisiert auch das Material und entfernt letzte Luftblasen.
1. Den Ton fixieren: Wirf den gut gekneteten Tonballen mit Schwung exakt in die Mitte des trockenen Scheibenkopfes und drücke ihn fest an. Schalte die Scheibe auf maximale Geschwindigkeit. 2. Den Kegel aufbauen: Umfasse den feuchten Ton mit beiden Händen von unten. Drücke die Handballen zusammen und bewege deine Hände langsam nach oben. Der Ton weicht dem Druck aus und schießt wie ein schlanker Kegel in die Höhe. 3. Den Kegel niederdrücken: Setze den linken Handballen oben auf die Spitze des Kegels und drücke ihn kontrolliert nach unten vorne, während deine rechte Hand die Seite stabilisiert. Wiederhole diesen Prozess zwei- bis dreimal.
Wenn der Ton perfekt zentriert ist, sieht es so aus, als ob er sich überhaupt nicht mehr bewegt, obwohl sich die Scheibe rasend schnell dreht. Der Ton liegt vollkommen ruhig unter deiner Hand – er hat seine Mitte gefunden. Erst jetzt kannst du mit dem Aufbrechen und dem Hochziehen beginnen, um zum Beispiel eine Frühstücksschale zu formen.
Meistere die Scheibe in der Rumfordstraße 36
Zentrieren erfordert Übung und Geduld. Es ist eine faszinierende Lektion in Sachen Fokus und Körperspannung. In den intensiven Drehscheiben-Kursen bei PurKeramik nehmen wir uns bewusst viel Zeit für diese essentielle Grundtechnik, um Frustration vorzubeugen.
Möchtest du das Gefühl des perfekten Rundlaufs selbst erleben? Schau dir unsere Kurse & aktuelle Termine an und finde das passende Format für dich. Wenn du unsicher bist, welcher Kurs zu dir passt, schreib mir gerne eine E-Mail an buehler @purkeramik.de. Wenn du vorab wissen möchtest, wie sich das Drehen vom Aufbauen unterscheidet, lies unseren Vergleich Drehscheibe vs. Handaufbau.