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Abdrehen an der Töpferscheibe: Der Feinschliff für den Fuß

Wer das Töpfern an der Drehscheibe lernt, feiert meist den Moment am lautesten, in dem aus einem klumpigen Stück Ton der erste aufrecht stehende Becher gezogen wird. Doch der Prozess an der Scheibe ist mit dem Hochziehen der Wände erst halb abgeschlossen. Wenn das Gefäß von der Scheibe geschnitten wird, ist es unten meist noch schwer, klobig und formlos. Erst durch einen zweiten, hochpräzisen Arbeitsschritt bekommt die Keramik ihre endgültige Leichtigkeit, Stabilität und Eleganz: das Abdrehen.

In meiner Münchner Werkstatt PurKeramik im Gärtnerplatzviertel vergleiche ich das Abdrehen gerne mit dem Bildhauen. Während wir beim Drehen den nassen, weichen Ton mit den Händen formen, benutzen wir beim Abdrehen scharfe Werkzeuge, um überschüssiges Material Span für Span vom festeren Ton abzuschälen. Es ist der Schritt, der aus einem handwerklichen Rohling ein feines Designobjekt macht. Lass uns gemeinsam anschauen, worauf es bei diesem Feinschliff ankommt.

Der richtige Moment: Das Geheimnis des lederharten Zustands

Man kann ein Gefäß nicht sofort nach dem Drehen abdrehen. Der Ton ist dann noch viel zu weich und würde unter dem Druck der Werkzeuge sofort in sich zusammenbrechen. Das Werkstück muss erst kontrolliert an der Luft trocknen, bis es den sogenannten lederharten Zustand erreicht hat.

In der Rumfordstraße 36 lagern wir die frisch gedrehten Stücke dafür für ein bis zwei Tage in unseren Trockenregalen. Wenn der Ton lederhart ist, hat er einen Großteil seiner Feuchtigkeit verloren. Er lässt sich nicht mehr plastisch verformen, fühlt sich kühl an wie kalte Butter und behält seine Geometrie perfekt bei. Wenn du jetzt mit einer Abdrehschiene über das Material fährst, schneidest du keine Schmiere ab, sondern erzeugst feine, saubere Tonspäne. Wenn du tiefer in die verschiedenen Phasen des Tons eintauchen möchtest, empfehle ich dir unseren umfassenden Guide für Anfänger.

Schritt für Schritt: So entsteht der perfekte Fußring

Das Abdrehen dient zwei Zwecken: Wir passen die äußere Form der Innenform an, damit das Gefäß überall eine gleichmäßige Wandstärke hat, und wir gestalten den Fuß. Ein sauber ausgearbeiteter Fußring sorgt dafür, dass deine Schüsseln & Schalen später fest auf dem Tisch stehen und beim Brand im Ofen nicht kippeln.

1. Das Zentrieren "kopfüber"

Um ein Gefäß abzudrehen, setzen wir es kopfüber, also mit der Öffnung nach unten, exakt in die Mitte der Töpferscheibe. Das Zentrieren ist hier genauso wichtig wie beim eigentlichen Drehen. Läuft das Stück unrund, nimmst du auf einer Seite mehr Material weg als auf der anderen, und die Wand wird asymmetrisch. Wenn das Gefäß perfekt mittig läuft, fixieren wir es mit drei kleinen Tonklumpen (sogenannten "Tönnchen") auf dem Scheibenkopf, damit es während der Rotation nicht verrutscht.

2. Die äußere Kontur definieren

Mit einer Abdrehschlinge – das ist ein Holzgriff mit einer scharf geschliffenen Metallschlaufe – beginnen wir nun, das Gefäß von unten nach oben zu bearbeiten. Die Scheibe dreht sich schnell, während wir das Werkzeug ruhig und fest mit beiden Händen halten. Span für Span fliegt der Ton davon. Wir arbeiten uns langsam vor, um den Übergang vom Boden zur Wand harmonisch zu gestalten.

3. Den Fußring ausstechen

Jetzt widmen wir uns der Bodenfläche. Wir setzen die Abdrehschlinge in der Mitte des Bodens an und bewegen sie langsam nach außen. Dabei lassen wir am äußeren Rand einen Steg von etwa 5 bis 8 Millimetern Breite stehen. Dies ist der zukünftige Fußring. Durch das Vertiefen der inneren Fläche steht das Gefäß später nur auf diesem schmalen Ring. Das sieht nicht nur eleganter aus, sondern verhindert auch, dass sich unter der Tasse oder Schale Feuchtigkeit sammelt.

Haptik testen und Fehler vermeiden

Beim Abdrehen ist Fingerspitzengefühl gefragt. Da man nicht durch die Tonwand hindurchsehen kann, muss man die Dicke des Bodens erfühlen. Das machen wir durch den "Klopftest": Wir klopfen mit dem Fingernagel sanft auf den Boden des Gefäßes. Ein dicker Boden klingt dumpf und massiv; je dünner das Material wird, desto heller und hohler wird der Klang. Ist der Klang zu hell, müssen wir sofort aufhören – sonst stechen wir ein Loch in den Boden und das Stück ist verloren.

Nach dem Abdrehen fühlt sich die Oberfläche wunderbar glatt und definiert an. Das ist auch der perfekte Moment, um das Werkstück mit unserem Werkstattsiegel zu versehen.

Erlerne die Kunst des Drehens am Isartor

Das Abdrehen erfordert eine ruhige Hand und viel Konzentration. Es ist ein zutiefst befriedigender Prozess, bei dem du die endgültige Proportion deiner Keramik selbst bestimmst. In unseren intensiven Kursen an der Drehscheibe widmen wir diesem Schritt daher besonders viel Aufmerksamkeit.

Nach dem Abdrehen müssen die Stücke komplett durchtrocknen, bevor sie bei extrem hohen 1.270 °C zu hochfestem, spülmaschinenfestem Steinzeug gebrannt werden. Entdecke unsere aktuellen Kurse & aktuelle Termine und lerne das Töpferhandwerk von der Pike auf kennen. Bei Fragen rund um unsere Kursformate erreichst du mich jederzeit unter buehler @purkeramik.de.